Zwänge – wenn Gedanken und Handlungen immer wiederkehren

Wenn Sie etwas tun müssen, obwohl Sie es eigentlich nicht wollen

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, einen Gedanken einfach nicht loszuwerden.

Ein bestimmter Gedanke kommt immer wieder. Sie versuchen, ihn zu verdrängen oder sich davon abzulenken – und beschäftigen sich dadurch erst recht damit.

Oder Sie haben das Gefühl, eine bestimmte Handlung ausführen zu müssen, obwohl Sie wissen, dass sie eigentlich nicht notwendig ist.

Vielleicht müssen Sie etwas wiederholt kontrollieren, reinigen, ordnen oder überprüfen. Vielleicht gibt es bestimmte Abläufe, die Sie genau einhalten müssen. Das kann sehr viel Zeit und Energie kosten und den Alltag zunehmend einschränken.

 

Zwangsgedanken

Zwangsgedanken können sich auf ganz unterschiedliche Themen beziehen.

Beispielsweise:

  • Angst, jemandem könnte etwas passieren
  • Angst vor Krankheit oder Verunreinigung
  • übermäßige Sorge, einen Fehler gemacht zu haben
  • wiederkehrende Zweifel
  • Gedanken, die sich gegen den eigenen Willen aufdrängen
  • belastende Vorstellungen oder Bilder
  • die Angst, für etwas verantwortlich zu sein
  • ständiges Hinterfragen eigener Entscheidungen

Besonders belastend kann sein, dass die Gedanken nicht zu den eigenen Werten oder Vorstellungen passen. Vielleicht denken Sie:

  • „Warum denke ich so etwas überhaupt?“
  • „Was sagt das über mich aus?“
  • „Ich weiß, dass dieser Gedanke eigentlich keinen Sinn ergibt – warum kann ich ihn trotzdem nicht loslassen?“

Solche Gedanken können starke Unsicherheit oder Angst auslösen.

Ein aufdringlicher Gedanke bedeutet nicht automatisch, dass Sie etwas tun möchten oder dass er Ihre Persönlichkeit beschreibt.

 

Zwangshandlungen und Rituale

Um die Anspannung oder Unsicherheit zu reduzieren, entwickeln manche Menschen bestimmte Handlungen oder Rituale. Dazu können beispielsweise gehören:

  • wiederholtes Kontrollieren
  • häufiges Händewaschen oder Reinigen
  • Dinge immer wieder überprüfen
  • bestimmte Abläufe exakt einhalten
  • wiederholtes Nachfragen oder Rückversichern
  • Dinge zählen oder ordnen
  • bestimmte Gedanken oder Sätze wiederholen
  • Situationen vermeiden, die Zwangsgedanken auslösen

Häufig bringt die Handlung zunächst eine gewisse Erleichterung. Doch die Erleichterung hält oft nicht lange an. Dann entsteht möglicherweise erneut der Gedanke:

„Was, wenn ich es nicht richtig gemacht habe?“

Und das Ritual beginnt von vorne.

So kann sich ein belastender Kreislauf entwickeln:

Zwangsgedanke → Angst oder Anspannung → Zwangshandlung → kurzfristige Erleichterung → erneuter Zweifel

 

Wenn die Zwänge immer mehr Raum einnehmen

Zwänge können sehr viel Zeit beanspruchen.

Vielleicht müssen Sie morgens bestimmte Abläufe durchführen, bevor Sie das Haus verlassen können. Vielleicht kontrollieren Sie mehrfach, ob Türen, Fenster oder Geräte ausgeschaltet sind. Oder Sie vermeiden bestimmte Situationen, Gegenstände oder Orte, weil Sie wissen, dass dadurch belastende Gedanken entstehen könnten.

Mit der Zeit kann sich der Alltag dadurch immer stärker nach den Zwängen richten. Was zunächst wie eine Möglichkeit zur Beruhigung erscheint, kann dadurch selbst zu einer erheblichen Belastung werden.

 

In der therapeutischen Arbeit können wir gemeinsam betrachten, wie sich Ihre persönlichen Zwänge entwickelt haben, welche Situationen sie verstärken und wie Sie heute damit umgehen.

Sie wissen, dass es eigentlich nicht notwendig ist – und tun es trotzdem

Viele Menschen mit Zwängen wissen durchaus, dass ihre Gedanken oder Handlungen übertrieben erscheinen.

Das kann besonders frustrierend sein.

 

Vielleicht sagen Sie sich:

„Ich weiß doch, dass die Tür geschlossen ist.“

Und trotzdem kontrollieren Sie noch einmal.

Oder:

„Ich weiß, dass meine Hände sauber sind.“

Und trotzdem entsteht der Drang, sie erneut zu waschen.

 

Dieses Wissen allein reicht häufig nicht aus, um den Drang einfach abzustellen.

Deshalb geht es in der therapeutischen Arbeit nicht darum, Ihnen lediglich zu sagen, dass Ihre Gedanken „unlogisch“ sind.

Vielmehr schauen wir darauf, wie der persönliche Kreislauf aus Gedanken, Gefühlen, körperlicher Anspannung und Verhalten bei Ihnen funktioniert.

 

Meine therapeutische Unterstützung

 

Am Anfang steht das Gespräch.

Gemeinsam schauen wir uns Ihre persönliche Situation genauer an:

  • Welche Gedanken kehren immer wieder?
  • Welche Situationen lösen sie aus?
  • Welche Gefühle und körperlichen Reaktionen entstehen?
  • Welche Handlungen oder Rituale folgen darauf?
  • Welche kurzfristige Erleichterung entsteht dadurch?
  • Wie viel Zeit nimmt das inzwischen in Anspruch?
  • Welche Bereiche Ihres Lebens werden dadurch eingeschränkt?
  • Was möchten Sie gerne wieder tun können?

Dabei geht es zunächst darum, die eigenen Muster besser zu verstehen.

Anschließend können wir gemeinsam überlegen, welche therapeutischen Schritte zu Ihrer Situation passen.

 

Meine Methoden

 

Welche Methoden eingesetzt werden, hängt von Ihrem individuellen Anliegen ab.

 

Therapeutische Gespräche

Das Gespräch bildet die Grundlage der gemeinsamen Arbeit.

Sie können offen über Ihre Gedanken und Handlungen sprechen – auch dann, wenn Ihnen diese unangenehm oder schwer verständlich erscheinen.

Wir betrachten gemeinsam die Zusammenhänge zwischen Ihren Gedanken, Ihren Gefühlen, körperlichen Reaktionen und Ihrem Verhalten.

Dabei können wir auch herausarbeiten, welche Situationen Sie inzwischen vermeiden und welche Veränderungen Sie sich wünschen.

 

Körperorientierte Methoden

Zwänge gehen häufig mit einem starken Gefühl von Anspannung oder innerer Unruhe einher. Vielleicht bemerken Sie bereits körperlich, dass eine Situation für Sie belastend wird.

Körperorientierte Übungen können dabei helfen, körperliche Signale bewusster wahrzunehmen und einen besseren Umgang mit Anspannung und Stress zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, körperliche Reaktionen einfach zu unterdrücken. 

PEP und Klopftechniken können ergänzend eingesetzt werden, wenn beispielsweise Angst, Unsicherheit, innere Anspannung oder belastende Gefühle im Zusammenhang mit Ihren Zwangssymptomen auftreten. Dabei richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf ein konkretes belastendes Thema oder Gefühl und stimulieren bestimmte Körperpunkte.

Die Methode kann dazu genutzt werden, Ihre eigene Reaktion auf belastende Situationen bewusster wahrzunehmen und neue Möglichkeiten im Umgang mit Anspannung und belastenden Gefühlen zu entwickeln.

 

 

 

Schritt für Schritt wieder mehr Freiheit gewinnen

 

Wenn Zwänge Ihren Alltag bestimmen, besteht ein wichtiger Schritt darin, wieder mehr Entscheidungsspielraum zu gewinnen. Vielleicht möchten Sie:

weniger Zeit mit Kontrollieren verbringen,

  • bestimmte Rituale reduzieren,
  • wieder spontaner handeln,
  • bestimmte Situationen nicht mehr vermeiden,
  • weniger Rückversicherung benötigen,
  • sich von aufdringlichen Gedanken weniger bestimmen lassen.

Welche Ziele für Sie sinnvoll sind, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.

Veränderung braucht Zeit und sollte individuell und in einem für Sie angemessenen Tempo erfolgen.

 

Sie möchten etwas verändern?

 

Wenn Gedanken oder Rituale zunehmend Ihren Alltag bestimmen, können Sie Kontakt aufnehmen.

Sie müssen sich für Ihre Gedanken oder Handlungen nicht schämen.

In einem unverbindlichen Erstgespräch können Sie zunächst schildern, was Sie aktuell belastet und wie sehr die Zwänge Ihren Alltag beeinflussen.

Gemeinsam können wir anschließend besprechen, welcher weitere Weg für Sie sinnvoll sein könnte. Kontaktieren Sie mich dazu bei Interesse für ein kostenfreies Erstgespräch.

 

Wichtiger Hinweis

 

Bei akuter psychischer Krise, unmittelbarer Gefahr oder Suizidgedanken wenden Sie sich bitte an den Notruf 112, eine psychiatrische Notaufnahme oder eine geeignete Krisenhilfe.


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